Urs Laib, Laib Bauplanungen, erläutert das nachhaltige Projekt Werkhof des Kantons Thurgau in Amriswil

Werkhof besticht durch Umweltverträglichkeit

Amriswil TG  Der diesjährige Tag der Thurgauer Bauwirtschaft galt dem neuen Werkhof des Kantons Thurgau in Amriswil. Die zwei Langhäuser und ein markanter Turmbau bestechen durch ihre nachhaltige Bauweise und erfüllen die Anforderungen an die Energieeffizienz sowie die Umweltverträglichkeit.

«Bei diesem Bau kann man wirklich mit gutem Gewissen von Nachhaltigkeit sprechen, denn nachhaltig sind nicht nur die Kriterien in der Vergabe, sondern auch die Tatsache, dass ein Unternehmer aus der Region den Auftrag erhielt», sagt Mathias Tschanen, Präsident des Thurgauer Baumeisterverband bei der Begrüssung von Regierungsrat Dominik Diezi, den Gästen aus Politik und Wirtschaft und seinen Berufskollegen. Für ihn und seinen Verband ist das Projekt insofern von Bedeutung, als dass zum ersten Mal bereits bei der Ausschreibung die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt wurden, ein Thema, auf welches der Verband immer wieder pochte. Für diesen ist es zudem erfreulich, dass mit der Stutz AG Bauunternehmung ein lokales Unternehmen zum Zuge kommt.

Preisteuerung bei allen Bauprodukten

Der Präsident fordert verlässliche und vorausschauende Rahmenbedingungen für die Bauunternehmungen und stellt fest: «Tägliche neue Herausforderungen bremsen uns auf dem Weg des Umbruchs vielfach wieder aus.» Dabei erwähnt er aktuell die Treibstoffteuerung, die Folge von fehlendem Wasser auf dem Rhein, welche die Dieselanfuhr, die Entsorgung von Reststoffen auf dem Wasserweg reduziert, an die volatilen Energiemärkte im Stromhandel und die massive Preisteuerung bei allen Bauprodukten. Ferner fordert er einen intensiveren Dialog mit Blick auf die Baubewilligungsverfahren und deren schlankeres und effizienteres Behandeln und erinnert: «In der Stadt Zürich geht ein Baugesuch an 15 bis 20 Amtsstellen vorbei.»

Versprochen ist versprochen

Eva Zellmann, Fachverantwortliche öffentliches Beschaffungswesen beim Kantonalen Hochbauamt, weist hin auf das Kriterium der Nachhaltigkeit in Baumeisterausschreibungen des Hochbauamtes Thurgau. Als Probleme der dabei angewandten Toolbox nennt sie die Eingrenzung des Marktes und die Tatsache, dass oftmals nur grosse Unternehmungen erfüllen können und der Aufwand des Nachweises oftmals zu gross ist. Für Zellmann gilt: «Versprochen ist versprochen, und wird auch nicht gebrochen.» Ehrlichkeit werde nicht belohnt, meint Zellmann, denn bestimmte Angaben könnten in Wahrheit nur hypothetisch erfolgen und es sei schwierig, die Einhaltung der Angaben regelmässig zu überprüfen und ergänzt: Konventionalstrafen für falsche Angaben im Falle einer Aufdeckung sind schmerzhaft.» Für sie ist es wichtig, die Nachhaltigkeit zu verankern und zu etablieren, dies, ohne den Markt zu stark zu begrenzen. Sie fordert eine Belohnung für eine intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema und die individuelle Einordnung des Themas in den eigenen Betrieben zu beurteilen, was dem Vorweisen eines Zertifikats entsprechen würde. Und wie erfolgt nun die Umsetzung? Zellmann weist darauf hin, dass der Nachweis der Einhaltung des Standards, beziehungsweise die Zertifizierung mit der Offerte vorzulegen ist. Dabei legt man den Fokus auf fünf Punkte: Mobilität von Transport von Material und Personal, Arbeitsbedingungen, Abfallbewirtschaftung, Energie und Kreislaufwirtschaft.

Holz aus dem Thurgauer Wald

Urs Laib, Laib Bauplanungen, beschreibt das Bauprojekt, welches sich aus zwei Längsbauten und einem 22 Meter hohen Siloturm zusammensetzt. Während im Haus A der Bürotrakt und die Werkstatt integriert werden, findet man im Haus die Waschbox, die Schreinerei und die Schlosserei. «Aller eingebauter Kies ist Recycling-Kies und wir verwenden Recycling-Magerbeton», sagt Laib. Er bezeichnet das Projekt mit seinem flexiblen Grundriss als zukunftsgerichtet, kann es doch Änderungen in späteren Jahren gerecht werden. Ferner dient das gesammelte Regenwasser der Lastwagenreinigung und der Sole-Aufbereitung. «Das für den Bau verwendete Holz stammt aus dem eigenen Thurgauer Wald und wird bei uns geschlagen, gesägt und von einem Thurgauer Zimmermann verarbeitet», hebt Laib hervor. Verwendet werden 2600 Kubikmeter Beton und 2780 Kubikmeter Rundholz. Abschliessend teilt er mit: «Nachhaltigkeit wird in diesem Projekt auch im Heizbereich gelebt.» Abschliessend nehmen die Teilnehmenden einen Augenschein vom Stand der Bauarbeiten für den neuen Werkhof.

Bericht: Werner Lenzin

Bilder: Thurgauer Baumeisterverband

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